FIRMENGESCHICHTE

FIRMENGESCHICHTE

 

FRIEDRICH GRAUMANN, der Begründer dieser Firma, wurde 1786 südlich von Berlin geboren. Als Webergeselle ging er auf Wanderschaft, kam 1813 nach Wien und bewarb sich um die österreichische Staatsbürgerschaft. 1817 erwarb er das Webermeisterrecht und machte sich in Wien Sechshaus, in der später nach ihm benannten Graumanngasse, selbständig. Dieses Jahr gilt als Gründungsjahr der Firma Graumann. Im Jahre 1833 trat der Webergeselle Josef Lang in den Betrieb ein und verliebte sich in die 17-jährige Tochter seines Chefs, Karoline, die er dann heiratete. Graumann und dessen Schwiegersohn gelang es in wenigen Jahren, den Betrieb (“Friedrich Graumann’s Eidam & Co.”) bedeutend zu vergrößern, bevor er 1856 starb.

FRIEDRICH GRAUMANN
Am 9. März 1869 kam Josef Lang nach Traun und kaufte noch im selben Monat die ehemalige “Winklmühle” auf einem Areal von 46.500 m². Im Mai des gleichen Jahres übersiedelte Wilhelm Lang, der älteste Sohn und erstes von 18 Kindern, von Wien nach Traun und übernahm die Leitung der Fabrik. Die Gebäude wurden instand gesetzt und mit neuen, modernen Spinnmaschinen eingerichtet. Da die vorhandene Turbine nicht ausreichte, wurde eine zweite eingebaut und schon 1873 die Nutzung der Wasserkraft des “Welser Mühlbaches” mit zwei Turbinen nochmals ergänzt.

Gemaelde 1882

Die Weberei wurde 1871 eingerichtet, doch schon sechs Jahre später durch eine Halle von 631 m² erweitert. 1877 waren 26 mechanische Webstühle in Betrieb. Diese Zahl sollte im Jahre 1887 auf 40 erhöht werden, bei rund 100 Beschäftigten.

Weberei_alt

Wilhelm Lang war 1878 Mitbegründer der Freiwilligen Feuerwehr Traun, deren erster Hauptmann er war und dies bis zu seiner Übersiedlung nach Wien im Jahre 1884 blieb. Von 1880 an war er Mitglied des Gemeinderates und von 1882 bis 1884 Bürgermeister von Traun. Noch heute erinnert die “Gebrüder Lang-Gasse”, ebenfalls in Wien Sechshaus, an die Persönlichkeiten dieses ältesten und des (um einundzwanzig Jahre) jüngeren Bruders Rudolf Lang, der 1890 die Leitung der Firma in Traun übernahm.
vom Kirchturm 1906
Im Jahre 1900 waren bereits 242 Webstühle, 3028 Feinspindeln, eine Zwirnmaschine, vier Rauhmaschinen und verschiedene Garn- und Warenveredelungsmaschinen im Einsatz. In dieser Zeit wurde die Erzeugung von Kunstseidenartikel aufgenommen.
Weberei_neu
Diese günstige Wirtschaftssituation und Entwicklungsmöglichkeit des Unternehmens wurde durch den Ausbruch des ersten Weltkrieges unterbrochen und nachteilig verändert. Die Wirtschaftskrise und die Inflation der Nachkriegsjahre brachten auch die Fa. Graumann in eine finanziell schwierige Lage. So wurde u.a. die Spinnerei stillgelegt und die Maschinen verkauft. Um die Weberei anzukurbeln, wurden Weber aus dem firmeneigenen Betrieb in Haslau (Böhmen) angesiedelt. 1925 setzte wieder ein bemerkenswerter Betriebsaufschwung ein, der allerdings nur bis 1930 andauerte, dem Jahr des großem Börsenkrachs in Amerika, der darauf folgenden Wirtschaftskrise und einem schweren Rückgang des Amerikageschäftes.

1933 übernahmen Wilhelm und dessen Bruder Friedrich Lang die Geschicke der Fabrik. 1945, nach dem Tode des zu früh verstorbenen Wilhelm Lang, war Fritz Lang allein für das Geschehen verantwortlich.

Weberei
Die Nachkriegsschwierigkeiten, Rohstoff-, Strom- und Kohlenmangel verursachten neuerdings große Rückschläge im Betrieb, der u.a. von Ende Dezember 1946 bis Anfang März 1947 stillgelegt werden mußte. Erst ab 1948, durch Kredite aus dem Marshallplan, konnte die Produktion allmählich auf 2,5 Millionen Meter bei knapp 500 Beschäftigten und einem Umsatz von 23 Millionen Schilling im Jahr 1951 gesteigert werden. 1956 wurde von 164 auf 226 Webstühle aufgestockt, 1957 dann sogar auf 240. Damit war die Firma Graumann einer der wichtigsten Arbeitgeber der Stadt Traun und des gesamten Bezirkes.
Flugaufnahme 1956
Doch nicht die Quantität sondern die Qualität war es, die den Graumann-Produkten den Weltmarkt eröffneten. Hemdzefire und Damenblusenstoffe übertrafen in Amerika die englische Konkurrenz. Für Luxus-Hotels in Italien wurden Piqué-Decken gewebt, Badezimmergarnituren waren in den weltbesten Kaufhäusern wie Harrod’s of London, zu erstehen, wo 1956 auch Ihre Majestät, die Königin von England, einige aus dem Graumann-Frottee-Sortiment erwarb.
Fritz Lang
In einer Zeit der allgemeinen Wirtschaftskrise auf dem Gebiet der Textilindustrie nach 1953 und mit dem Wegfall des riesigen Exportmarktes USA nach dem Staatsvertrag 1955, entschloss sich Fritz Lang 1958 schweren Herzens, die Firma nicht zu verschulden, sondern die Produktion nach 140 Jahren Bestand einzustellen. Doppeltes Glück begleitete ihn dabei: Einerseits konnten durch den Verkauf der Maschinen die gestundeten Löhne ausbezahlt werden. Andererseits war die Nachfrage nach Produktions- und Lagerhallen so groß, daß die Fabrikshallen sukzessive an verschiedene Firmen vermietet werden konnten. Namen wie: Gruber & Kaja (Kelomat), Ed. Haas (Senfproduktion), Patex, Leiner, Londonrubber, Pastl, Wella, Cosmos, TAB, Fahrschule Rauch und die VEST (“Spinnerei”) waren oder sind die bekanntesten Bestandnehmer. Die ständig notwendige, fach- und funktionsgerechte Renovierung und Adaptierung der Hallen und Gebäude konnte laufend durch Eigenmittel erfolgen.

Das rasante Wachstum der Bevölkerung in Traun (von 9.800 im Jahre 1951 auf über 22.000 Einwohner 1991) bildete die Grundlage für die Errichtung eingeschoßiger Geschäftslokale in den 60er und 70er Jahren. Schon vor 1950 begann Frau Lugmaier mit einem improvisierten Tisch, Gemüse und Obst aus eigenem Garten zu verkaufen. Anfang der 50er Jahre bekam sie ihren ersten, noch heute bestehenden Kiosk; damit begann die Entwicklung einer Geschäftszeile entlang der südseitigen Bahnhofstrasse. Es folgte Braunschmied mit Eisenwaren und Frau Bauer mit Kurzwaren. Fritz Lang übersiedelte die Verkaufsstelle der Fa. Graumann mit Meterware aus eigener Fabrikation vom Madlschenterweg ins Langhaus. 1961 konnte er Palmers hinzu gewinnen. Nebenan siedelte sich der Herrenschneider Homolka an. Suczessive wurden in den 60er Jahren zunächst die Lücken nach Osten geschlossen: unter anderen mit den noch immer bestehenden Putzerei Zimmermann, Fleischhauer Schuh (jetzt Wegschaider) und Optik Volk. 1972 kam mit dem Hofer-Markt die markanteste Erweiterung mitten im Stadtzentrum und mit ihm ein enormer Frequenzaufschwung. Aus der schmalen Bahnhofstrasse war eine breite Einkaufsstrasse mit knapp 20 Geschäften unterschiedlichster Branchen geworden.

Fritz Lang starb im November 1989 nach einem erfüllten Leben im Alter von 87 Jahren. Sein Sohn Mag. Tassilo Lang übernahm die Geschäftsführung der zwei Jahre zuvor in eine Ges.m.b.H. umgewandelten Firma und damit den nördlich gelegenen Teil des Firmenareals, der durch den ehemaligen “Welser Mühlbach” (1982 im Zuge des Kraftwerksbaues trockengelegt und zugeschüttet) begrenzt wird (vgl. Bestandsplan).

Nach 10-jähriger Diskussion verordnete die Stadt der Trauner Innenstadt zwischen Linzer-, Heinrich Gruber- und Bahnhofstrasse eine Fußgeherzone. Sie wurde in den Jahren 1988 und 1989 errichtet, just zu jenem Zeitpunkt, an dem sich bereits Uno- und Plus einen Kampf um die frühere Eröffnung lieferten. Die Abwanderung des Hofermarktes vor die Tore von Traun war nur eine Frage der Zeit, Ikea und andere Centers kamen dazu, und der große Frequenz- und Kaufkraftschwund die fatale Folge für die Anrainer der Innenstadt. Inzwischen ist die Fußgeherzone Geschichte, die Strassen sind ausser am freitäglichen Bauernmarkt wieder befahrbar. Heute steht ausser Streit, die historisch gewachsene Fabriksarchitektur mit seinen einzigartigen und funktionstüchtigen Gebäuden, welche das Stadtbild von Traun nun schon über 150 Jahre lang prägen, zu erhalten und mit Neuem, Modernem zu verbinden. Außer Kirche, Volksschule und dem Schloss Traun sticht architektonisch nur die Fabrik mit dem markanten Hauptgebäude, der Weberei, Färberei und dem Schlot hervor. Den STRUKTURWANDEL von der Industrie- zur Informationsgesellschaft gilt es auch in Traun zu Beginn des 21. Jahrhunderts umzusetzen.

Ein erster Schritt ist bereits mit der Nutzung der ehemaligen Weberei-West als Jugend-, Kultur- und Veranstaltungszentrum “Spinnerei” in Zusammenarbeit mit der Stadt Traun getan, um die in der Schulstadt Traun reichlich vorhandene Jugend ins Zentrum zu holen. Nach einer sehr kostspieligen Adaptierung wurde im Herbst 1997 der regelmäßige Betrieb aufgenommen.

Nach einigen gescheiterten Versuchen, das Gebiet zwischen Bahnhofstraße und Schloss Traun städtisch zu entwickeln und zu verbinden, ergriff 2003 Bürgermeister Ing. Harald SEIDL die Initiative: seine Visionen führten zum Ankauf von rd. 12.000 m² durch die Stadt Traun. Dieses Gebiet wird im neuen Schloss-Center in den nächsten Jahren entwickelt: Geschäfte samt mittelgroßem Lebensmittelmarkt, betreutem Wohnen, Büros, erschlossen durch Tiefgaragen und einem öffentlichen Parkdeck.

Nur durch den Grundverkauf war es möglich, die alte “Hofer-Zeile” abzureissen und den Kaufpreis in den Bau des im November 2006 eröffneten, 4-stöckigen GRAUMANN-ZENTRUMs am GRAUMANNPLATZ zu reinvestieren. Mit Architekt Prof. Dipl. Ing. Klaus Zellinger fanden wir einen kongenialen Partner, der neben der hervorragenden Architektur erst die Wirtschaftlichkeit des neuen Gebäudes sicherte. Wir freuen uns, NKD als neuen, alten Mieter an Bord zu haben. Für das Cafe-Restaurant samt Backstube konnten wir Resch & Frisch gewinnen. Im 1. OG hat Dr. Egger sein Radiologie-Institut eröffnet; mit Dr. Kriegelsteiner (Neurologie) und Dr. Klimpel (Chirurgie) sorgen zwei weitere Facharztpraxen für regen Besucherzustrom (insgesamt ca. 200 Personen pro Tag!). In den zwei Etagen darüber wurden durch die Lawog 12 Eigentumswohnungen gebaut. Die Tiefgarage mit 58 Dauerparkplätzen rundet das moderne Gebäude ab. Damit wird dieses wichtige und markante Eck der Trauner Innenstadt auch seiner Funktion gerecht. Zusammen mit dem Schloss-Center wird das Trauner Zentrum durch dichte und gemischte Verbauung belebt. Die lebenswerte Innenstadt wird so auch für Besucher aus der näheren und weiteren Umgebung attraktiv!

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